DIN EN 12464: Bevorstehende Neuauflage mit erweiterten Anforderungen an die Planung von Beleuchtungsanlagen

27.05.2019 | Lichtwissen

In wenigen Monaten wird DIN EN 12464 als die für die Planung von Beleuchtungsaufgaben maßgebliche europäische Norm in einer überarbeiteten Ausgabe neu erscheinen. Die Tatsache, dass diese aktuelle Version Empfehlungen zu den bisher bereits dokumentierten Gütemerkmalen in einer erweiterten und detaillierteren Form vorgibt, lassen es sinnvoll und lohnenswert erscheinen, diese Erweiterungen insbesondere in den Normtabellen näher zu betrachten und daraus Schlussfolgerungen für die tägliche Planungspraxis zu ziehen. Zunächst sollen hier allerdings erst einmal einige kleinere Modifikationen aus dem Bereich des Normtextes angesprochen werden, um der Vollständigkeit Genüge zu tun.

Reflexionsgrade

Reflexionsgrades für den Reflexionsgrad des Bodens wurde auf 0,2 – 0,6 erweitert(bisher 0,2 – 0,4)

Begriffe

  • Der Begriff "Lampen" wird durch den Begriff "Lichtquellen" ersetzt.
  • Das Symbol "UGR" für die Bewertung der psychologischen Blendung wird aus Gründen der ​normenkonformen Schreibweise in der Neuauflage der Norm durch "RUGL" ersetzt.

Bewertungsebenen

In Bezug auf die beleuchtungsrelevanten Flächen wurden die Angaben zur Lage und Orientierung unmittelbarem Umgebungsbereich und Hintergrundbereich wie folgt näher präzisiert:

  • Der unmittelbaren Umgebungsbereiche liegt in derselben Ebene wie der Bereiche der Sehaufgabe. So ist bei geneigter Arbeitsebene der Umgebungsbereich um denselben Winkel geneigt.
  • Der Hintergrundbereich ist immer horizontal und immer in Höhe des Fußbodens angeordnet und umschließt unmittelbar die senkrechte Projektion den Umgebungsbereich

Abbildung 1Lage und Orientierung des unmittelbaren Umgebungsbereichs und des Hintergrundbereichs in Bezug auf den Bereich der Sehaufgabe

Abschirmwinkel und Ausstrahlungswinkel

Nach wie vor werden für Leuchten, in denen die Leuchtmittel selbst sichtbar sind, sozusagen als zusätzliche Anforderung an die Blendungsbegrenzung, Mindestabschirmwinkel vorgeschrieben, deren Größe sich (tabellarisch) aus der Eigenleuchtdichte der Leuchtmittel selbst ergibt.
Hinzu kommen in der Neuauflage der Norm maximal zulässige Werte für die mittlere Leuchtdichte von Leuchten, bei denen der direkte Blick auf das Leuchtmittel durch eine Leuchtenoptik verdeckt ist; für verschiedene Ausstrahlwinkel müssen dabei entsprechend zugeordnete Maximalleuchtdichten eingehalten werden, eine Anforderung, die aufgrund der erweiterten technischen Möglichkeiten durch LED-Technologie (hohe LED-Leuchtdichten, kleine Lichtaustrittsflächen) sinnvoll erscheint.

Abbildung 2 Abschirmwinkel  und Ausstrahlungswinkel  mit zugehörigen Maximalleuchtdichten

Normtabellen

Die wesentliche Neuerung innerhalb der Neuausgabe von DIN EN 12464 Norm findet in dem Tabellenwerk "Verzeichnis der Beleuchtungsanforderungen" statt. Diese sollen Im Folgenden grob erläutert werden.

Tabellenerweiterung um zusätzliche Beleuchtungsaufgaben

Neu erfasst werden z. B. Beleuchtungsanforderungen für:

  • Flächen vor Aufzügen 
  • überdachte Eingangsbereiche
  • Spiegelbeleuchtung in Krankenzimmern u. ä.
  • Reinigungsbeleuchtung allgemein
  • Beleuchtung von (einzelnen) Konferenztischen
  • Vertikalbeleuchtung auf Park- und Abstellflächen

Ergänzung der Tabellenstruktur um weitere Gütemerkmale

Wie eingangs erwähnt, besteht die wesentlichste Neuerung der Neuauflage von DIN EN 12464 in der Tabellenerweiterung um mehrere Spalten mit zusätzlichen bzw. neuerdings dezidierten und differenzierten Anforderungen an bestimmte Werte der Beleuchtungsstärke, die es erlauben, die lichttechnische Qualität einer Beleuchtungsanlage genauer und besser angepasst an die jeweilige Sehaufgabe zu definieren.

Abbildung 3.1 Überarbeiteter Tabellenkopf der neuen Normtabelle mit Wartungswerten für die Beleuchtungsstärken auf Decken und Wänden

  • Mindestbeleuchtungsstärken auf Decken und Wänden sollen eine ausgewogene Leuchtdichteverteilung ​im Gesichtsfeld gewährleisten. Die geforderten Wartungswerte werden allerdings nicht mehr, wie in der Vorgängernorm, global für alle Anwendungen im Normtext (50 lx auf den Wänden, 30 lx auf der Decke) definiert, sondern erscheinen als zusätzliche Spalten in die Normtabellen. In vielen Fällen führt das zu differenzierteren Anforderungen, so werden beispielsweise für Büros ​nunmehr Wartungswerte von 150 bzw. 100 lx gefordert.

Abbildung 3.2 Überarbeiteter Tabellenkopf der neuen Normtabelle mit Wartungswerten für die zylindrische Beleuchtungsstärke

  • Zylindrische Beleuchtungsstärken ermöglichen eine gute visuelle Kommunikation und eine gute ​Erkennbarkeit von Objekten im Raum. In der Vorgängernorm wird im Normtext daher global ein Wartungswert von 50 lx im allgemeinen und von 150 lx für die Fälle empfohlen, in denen visuelle Kommunikation wichtig ist. In der Neuauflage der Norm erscheint der jeweiligeWert als separate Spalte in den Normtabellen, in den Stufen von 50, 75,100 und 150 lx, individuell ​zugeordnet zu den einzelnen Sehaufgaben. ​So wird z. B. für bürotypische Tätigkeiten ein Wartungswert von 150 lx, gefordert, mithin in diesem Fall der gleiche Wert, der auch bisher schon in Ansatz gebracht werden musste.

Abbildung 3.3 Überarbeiteter Tabellenkopf der neuen Normtabelle mit Wartungswerten für die unteren und oberen Richtwerte für ein empfohlenes Beleuchtungsstärkefenster

  • ​Zusätzlich zu dem auch bisher in den Normtabellen bereits dokumentierten Wartungswert Ēm (neu: Ēm,r) wird in der Neuausgabe der Norm der oberer Richtwert (neu: Ēm,upper) angegeben. Diese beiden Werte ​bilden zusammen ein Beleuchtungsstärkefenster, das es erlaubt, in bestimmten Fällenerhöhter visueller ​Belastung einen Planungswert in Ansatz zu bringen, der oberhalb des Mindestwertes Ēm, liegt. Ein derartiger Fall liegt beispielsweise vor, wenn Sehaufgaben zeitweilig einen deutlich erhöhten Schwierigkeitsgrad aufweisen. Oder wenn andere Umfeldeinflüsse die jeweilige Tätigkeit zusätzlich belasten. Oder auch, wenn die zusätzliche Belastung der dort tätigen Person gesundheitlich oder altersbedingt ist.
  • Ein naheliegendes Beispiel hierfür lässt sich aus den neuen Vorgaben für Arbeitsplätze mit bürotypischen Tätigkeiten herleiten (Ēm,r = 500 lx, Ēm,upper = 1000 lx). So kann der Wartungswert der Beleuchtungsstärke beispielsweise von 500 lx auf 750 lx heraufgesetzt werden, sofern hier überwiegend Personen älter als 50 Jahre beschäftigt sind, da mit dem Alter das Sehvermögen naturgemäß deutlich nachlässt (z. B. mit 50 Jahren um ca. die Hälfte gegenüber einem Alter von 25 Jahren). Die gleiche Maßnahme (750 lx statt 500 lx) kann andererseits auch dadurch gerechtfertigt sein, dass an diesen Arbeitsplätzen überdurchschnittlich schwierige Sehaufgaben auftreten. ​Nicht zuletzt ist es darüber hinaus möglich, beim Zusammentreffen beider vorgenannten Sachverhalte den Wartungswert sogar auf 1000 lx anzuheben, entsprechend dem oberen Richtwert Ēm, upper. ​In jedem Fall ist der Beleuchtungsplaner gehalten, den jeweils zugrunde gelegten individuellen ​Wartungswert in den Planungsunterlagen zu dokumentieren.
  • Die vorgenannten Möglichkeiten erlauben es, in speziellen Fällen übermäßige Ermüdung zu vermeiden sowie​ Belastung und  Fehlerhäufigkeit zu reduzieren. Da liegt es nahe, auch den hierbei im Raum stehenden Energie-Mehraufwand durch intelligentes Lichtmanagement zu minimieren oder gar zu kompensieren. So ist es beispielsweise sinnvoll, unterschiedliche Sollwerte einstellen zu können, wenn schwierige​Sehaufgaben (besonders kleine Sehdetails, besonders schwache Kontraste) nur zeitweilig auftreten. Oder wenn, altersbedingt, eine Umbesetzung des Arbeitsplatzes erfolgt, somit die visuelle Belastung aufgrund geringeren Alters niedriger anzusetzen ist.

Abbildung 3.4 Inhalte des überarbeiteten Tabellenkopfes der neuen Normtabelle der "Beleuchtungsanforderungen für Innenraumbereiche, Bereiche der Sehaufgaben und Bereiche der Tätigkeiten" in der Gesamtübersicht

Fazit

Die neugefasste Norm stellt deutlich höhere Anforderungen an die planerische Kompetenz, um die nunmehr erweiterten Anforderungen mit vertretbarem Aufwand und vor allem energieneutral auch im Detail zu erfüllen. Deshalb empfiehlt es sich, mit gezielten Fortbildungsmaßnahmen die erforderlichen Voraussetzungen für eine auch weiterhin fachgerechte und dennoch zeitsparende Beleuchtungsplanung zu schaffen.

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